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psychische Gesundheit
Wir schreiben den 15. April 2018.
Ein schicksalsträchtiger Tag einer noch jungen Bloggerin. Heute steht nämlich eine Premiere an – mein erster Gastartikel ist online!

Aber was genau soll ein Gastartikel sein?
Unter einem Gastartikel versteht man einen Artikel, der geschrieben wird und auf einem externen Blog veröffentlicht wird.
Also nicht auf meiner Seite.
Mein Artikel fährt quasi in die Ferien.

Zu Roland. keep reading
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psychische Gesundheit

Ach, das kenn ich doch schon zur Genüge!

 

Kein Alkohol. Kein Koffein. Kein Sport mit Höchstleistung ab 18 Uhr. Kein Fernseher. Kein Flimmern des Handybildschirms. Keine schwere Mahlzeit. Aber auch keine Rohkost. Keine Power-Naps über den Tag verteilt. Wlan ausschalten.

Eine breit gefächerte Palette an schlafhygienischen Mitteln eben. Die habe ich mir von Fachpersonen und dem Internet zugelegt.

Sogar Google scheint sich langsam über meine gleichbleibenden Suchwörter zu langweilen. Nach monatelangen Schlafschwierigkeiten blicke auch ich etwas resigniert in den Bildschirm des Laptops. keep reading

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psychische Gesundheit, Sport

Ich drehe mich im Kreis.

Es geht nicht vorwärts.

Auch in der Gesprächstherapie. Diese Tatsache verdränge ich mit Erfolg.

Doch in der heutigen Sitzung ist alles anders.

Meine Psychologin spricht das Wort «Abbruch» tatsächlich aus.

 

Wie soll ich mein Leben unter diesen Umständen auch nur ansatzweise in den Griff kriegen? Unvorstellbar!

Das letzte Stück Boden bröckelt unter meinen Füssen.

 

Ich bin siebzehn Jahre jung. Das Selbstwertgefühl ist überall, nur nicht bei mir. Meine sozialen Kontakte beschränken sich auf die Mitglieder meiner Familie und meine Psychologin. Regelmässig stürzen meine Gedanken in schwer depressive Gebiete ab. Mir fehlt die Perspektive, dass sich auch etwas an meiner Arbeitslosigkeit ändert.

Ich habe nichts, worauf ich am Ende des Tages stolz sein kann. Mein Gesundheitszustand liegt mit chronischem Fieber im Bett.

Und jetzt erst recht.

Da ist das ausgesprochene Wort.

Abbruch.

Und der dazugehörige Gedanke.

Untherapierbar.

Ich bin erschüttert.

 

«Ich hätte da noch eine Idee», spricht meine Psychologin aus.

Oh!

Ein kleiner Hoffnungsschimmer?

Plötzlich bin ich wieder hellwach und aufnahmefähig. Sie berichtet über die Idee, zusammen laufen zu gehen.

 

Wie jetzt, laufen? – schiesst es mir durch den Kopf.

Dass meine Psychologin eine leidenschaftliche Läuferin ist wusste ich bereits, aber dass Rumrennen eine Art Therapie sein könnte, ist mir neu.

 

Ich sage zu.

Ein bisschen, weil mir der Plan B fehlt.





Also gehe ich in Turnschuhen zur nächsten Sitzung. Nervös warte ich vor der Praxis. 

Da kommt sie.

Sportlich gekleidet.

Gut gelaunt.

Meine Psychologin begrüsst mich mit einem Lächeln.

Ihr durchtrainierter Anblick macht mir Angst.

Ich lasse mir nichts anmerken.

 

Wir traben los.  

 

«Gemütlich» nennt sie das angepeilte Tempo. Und plaudert gleichzeitig über die Dinge, die sie wahrnimmt.

Kräftig blühende Blumen.

Die Aussicht, die bis zum See reicht.  

Die frische Luft.

Der Kreislauf, der in Schwung kommt.

Das Wolkenspiel am Himmel.

Ich bewundere ihre Fähigkeit, zu laufen und gleichzeitig zu reden.

Bei mir sieht das etwas anders aus.

 

Ich hopse ihr hinterher.
Versuche mein Seitenstechen wegzulächeln, wenn sie zu mir herüberblickt.
Ignoriere das Brennen in der Wadengegend.

Suche nach Abzweigungen, die unseren Zielpunkt schneller erreichen lassen.

Hechle nach dieser ach so frischen Luft.

Betreibe Rätselraten, wann die Baumwollfasern meines Shirts zu miefen beginnen.

 

Wenn ich so nachdenke – das ist ja auch Multitasking.

Zumindest für Anfänger.

 

Erst als ich danach eine erfrischende Dusche geniesse, fühle ich mich etwas besser. Ich kann noch nicht greifen, was gefühlsmässig anders ist. Es ist ungewohnt, dass Laufen nun tatsächlich als Therapie eingesetzt wird. Jedenfalls spüre ich, wie ich die Unsicherheit in meinem Leben für einen kurzen Moment vergessen kann.  

 

Deshalb beschliesse ich, auch ausserhalb der Therapie meine Turnschuhe zu schnüren.

Zweimal in der Woche.

Eine Minute leichtes Jogging, eine Minute gehen. Vierzehn Minuten – danach bin ich völlig platt.

Laufen ist anstrengend. Doch es schenkt mir die Möglichkeit, die Therapie im gewohnten Sitzungszimmer fortsetzen zu können.

Die Noémie ist wieder therapierbar!

 

Mehr noch.

Ein utopischer Gedanke wird zur Wirklichkeit.

 

Ich beende einen Lauf über fünf Kilometer.

Das Gefühl, etwas selbst zu erarbeiten und zu schaffen, ist unbezahlbar.

Ich erlebe, wie ich trotz der passiven Umstände einen kleinen Bereich in meinem Leben aktiv gestalten kann.

Diese Erfahrung ist Gold wert.

Welcher (für unrealistisch bewerteter) Gedanke möchtest du zu deiner Wirklichkeit werden lassen? 

Du hast es in der Hand.

Sei mittendrin in deinem Leben.

Du darfst entscheiden.

Befördere dich zum Gestalter deines eigenen Lebens.  

 

In diesem Sinne
Bleib dran – es lohnt sich!

Noémie

 

Übrigens: Wird Ausdauer belohnt?

Die Fortsetzung darfst du im Artikel Der Moment als wichtige Lebenslektion lesen. Viel Spass dabei!

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psychische Gesundheit

Ich habe es satt!

 

Ich rauche nicht.

Konsumiere keine Drogen.

Treibe regelmässig Sport.

Benutze Zahnseide.

Achte auf eine ausgewogene Ernährung.

Massiere die Faszien mit einer Rolle.

Betreibe präventives Selbstmitgefühl.

Trinke genug Wasser.

 

Schön.

 

Wie sie da aufgelistet stehen.

Die lebensoptimierenden Massnahmen.

Die Gesundheitsförderung in Bern wäre bestimmt zufrieden mit mir.

 

Und jetzt?

 

Diese Massnahmen nützen mir nichts. Nicht heute.

 

Manchmal, da sind Optimismus und Humor Fremdwörter.

Da möchte ich die Welt schreiend fragen, ob das ihr ernst ist.

Und es kommt keine Reaktion.

Es riecht bloss nach starker Blähung.

 

Heute ist so ein Tag.

 

Verkrieche mich zwischen Bettdecke und Matratze. Und wünsche mir ein paar Dinge.

Eine bewohnerfreie Insel.

Eine undurchlässige Riesenblase mit Flugmodus-Funktion.

Ein warnender Prüfadapter für den Gedankenmüll.

Ein mobiles Schild gegen Reizüberflutung.

Ein reservierter Fensterplatz für die Reise zum Mond.

 

Mein mentaler Wortschatz steigt im Bereich der Fluchwörter gefährlich rasant an. Dazu spiele ich Pantomime, wie ich die Welt gerade gerne behandeln würde.

Und doch schweige ich weiterhin.

Nicht nur, weil die Luft unter der Decke mit der Zeit knapp wird. Mir fehlen schlichtweg die Worte.

Fühle mich auf dem aktuellsten Stand der Demotivation.

Nicht mal eine Melodie kann meine Stimmung beschreiben.

Ich fühle mich in einer emotionalen Sackgasse.





An solchen Tagen warte ich auf den Gewinn.  

Nicht auf die Millionen, wenn weisse Kugeln vom Fernsehbildschirm nach unten purzeln und sich zu einer gewünschten Zahlenreihe formen. Ich meine auch nicht das neue Bügeleisen bei einer Tombola.

Ich will bloss meine Lebendigkeit wieder. Meine Kraft zurückerobern. Bei mir sein. So sehr, dass mich die äusseren Umstände viel weniger tangieren.

 

Was fehlt mir zu diesem Gewinn?

 

Naja, dazu muss ich wissen, wo denn mein Problem liegt. Ich gehe es suchen.

Vielleicht sucht es mich auch schon. Oder es hat mich bereits gefunden.

Oder die Lösung. Das wär toll.

Vielleicht habe ich gar kein Problem?

Mir fehlen noch immer die Worte.

Und trotzdem kommen dreihundertdreiundachtzig Wörter für diesen Blogartikel zustande. Bemerkenswert. Irgendwie.

Dreihundertdreiundachtzig.

 

Was lerne ich daraus?

Ich habe mich gerade dreihundertdreiundachtzig Mal übertroffen – und dies an einem Tag!
Offenbar ist der Mensch zu viel mehr in der Lage, als er denkt und glaubt.

 

Um das Positive noch zu stärken: auch ein modrig riechender Tag hat bloss vierundzwanzig Stunden.. und ab morgen können die lebensoptimierenden Massnahmen bereits wieder zu meinem Lebensstil passen. Ich bin nur eine Entscheidung davon entfernt. 

Stell dir nur mal vor, um wie viel wir uns selbst übertreffen können – wenn wir den (nächsten) Tag zu einem besseren machen!

 

In diesem Sinne

Bleib dran – es lohnt sich!

 

Noémie

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