Interview

„Eine Heilung braucht Zeit“

Darf ich vorstellen?

Anke.

Anke ist 31 Jahre alt und kommt aus dem wunderschönen Münsterland in Deutschland.
Sie liebt die Farbe blau, stemmt regelmäßig Gewichte im Fitnessstudio und hasst die angebotenen Gruppenkurse oder Cardio. Sie ist viel mit Ella – ihrer 4-jährigen Golden Retriever Hündin – unterwegs und hört dabei gerne Podcast.

Anke ist Psychologin und psychologische Psychotherapeutin in Ausbildung. Im Herbst wird sie die Approbationsprüfung absolvieren, auf die sie sich intensiv vorbereitet.
Umso schöner, nimmt sich Anke die Zeit für meine Fragen.

Ich freue mich sehr, dir das folgende Interview schenken zu dürfen!

Setzen wir aus diesem Grund nicht die Brille einer Betroffenen auf, sondern nehmen diesmal die Brille einer Fachperson.
Eine blaue, um genau zu sein.

Denn heute erzählt Anke.



Weshalb hast du dich für den Beruf der Psychologin/Psychotherapeutin entschieden?

Haha, das ist schnell beantwortet.
Ich wusste irgendwie schon mit 11 Jahren, dass ich Psychologie studieren will. Mich hat das Thema zum einen sehr interessiert und zum anderen musste ich damals schon sehr früh eigene schlechte Erfahrungen mit Psychotherapeuten und Kliniken machen. Das gab mir Motivation, es irgendwann BESSER zu machen. Deswegen habe ich in der Schule alles gegeben und die passenden Leistungskurse gewählt (kann euch da Mathematik ans Herz legen, denn im Studium macht man eine Menge Statistik. Ist aber kein Muss – das Studium schafft man auch ohne Mathematik-LK).

Woran kann jemand erkennen, dass es sinnvoll ist, eine Therapie zu beginnen?

Pauschal kann ich das leider nicht sagen. Ich tue mich mit solchen Aussagen sowieso meist schwer, da ich die Personen, die das hier lesen, nicht kenne und das Spektrum von psychischen Erkrankungen extrem breit ist.
Ich möchte ja keine Eigenwerbung machen, aber auf meiner Instagram-Seite findet man schon eine Menge Diagnosen. Wenn man sich dort in einigen Teilen wiedererkennt, sollte man sich unbedingt Hilfe suchen, um das von einer Fachperson abklären zu lassen. Der erste Schritt kann der Gang zum Hausarzt sein, in eine Beratungsstelle oder direkt zum Psychotherapeuten.

Die Dauer der Therapie kann sehr unterschiedlich sein. Besteht die Gefahr, von einer Therapie abhängig zu werden, wenn sie über einen längeren Zeitraum dauert?

Ich glaube nicht, zumindest nicht so, wie es zum Beispiel bei einer Suchterkrankung der Fall ist. Eine Therapie ist oft ein langwieriger Prozess. Erkrankungen, die sich über Jahre hinweg entwickeln, können selten in ein paar Wochen oder Monaten verschwinden. Man sollte sich da unbedingt die Zeit geben und sich nicht unter Druck setzen.
Allerdings machen das Patienten gerade sehr oft und meinen, nur, weil die Symptome nicht schnell verschwinden, sei entweder die Therapie schlecht, der Therapeut inkompetent oder der Patient selbst unfähig. Meist trifft das alles aber nicht zu. Eine Heilung braucht Zeit.

Welche Bedeutung hat körperliche Bewegung auf die emotionale Stabilität?

Bewegung ist generell sinnvoll.
Auf die ganzen medizinischen Vorteile möchte ich nicht eingehen. Aber vor allem bei depressiven Patienten bemerke ich häufig, dass das Wohlbefinden steigt, sobald sie beginnen Sport zu treiben oder spazieren gehen. Die Patienten bewegen sich, überwinden ihre Antriebslosigkeit, sind eventuell auch noch an der frischen Luft (optimaler Weise scheint die Sonne – Vitamin D), treffen vielleicht noch Frau Schulze von nebenan und erfahren den neusten Klatsch und Tratsch (soziale Kontakte).
Das sind alles positive Schritte und Therapieerfolge.

Heutzutage scheint es beinahe eine Pflicht zu sein, Seminare für die Persönlichkeitsentwicklung zu besuchen. Was denkst du über diese Bewegung für Menschen in Krisen?

Puh, zumindest auf Instagram wird der Eindruck erweckt. In meinem persönlichen Umkreis ist das eher weniger der Fall.
Aber es stimmt. Jeder will immer höher, schneller, weiter und mit 18 Jahren schon Online-Millionär oder Influencer sein. Ich habe jetzt keine spezifische Meinung dazu, aber es setzt Menschen unter Druck.
Man darf auch einfach mal zufrieden sein und muss sich nicht immer weiter optimieren. Wieso darf nicht auch mal alles so bleiben wie es ist? Das heißt nicht, dass man sich nicht weiter entwickeln soll. Das finde ich nämlich schon wichtig, sonst würde das Stillstand bedeuten.
Wenn man in einer Krise steckt, hat man aber nichts auf so einem Seminar verloren, sondern gehört in eine Psychotherapie.

Was sind deine drei Speed-Tipps, wenn jemand in einer depressiven Phase steckt?

Ich halte nicht viel von irgendwelchen Speed Tipps oder Schritt-für-Schritt-Anleitungen.
Ich kenne die Leser nicht und weiß nicht, was ich mit meinen Worten auslöse. Wenn ich hier bestimmte Dinge auflisten würde und der Leser probiert es aus und es klappt nicht, könnte es sein, dass er sich noch schlechter fühlt. Also nach dem Motto: Anke hat geschrieben, wenn ich xyz mache, dann geht es mir besser. So funktioniert das aber meist nicht und da kann und will ich keine Verantwortung übernehmen.
Für meine Patienten nehme ich mir ja auch meist 50 Minuten pro Woche.

Abschliessend eine persönliche Frage: Nach welchem Lebensmotto lebst du? Und weshalb?

«Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft, der hat schon verloren»
(Bertolt Brecht).
Das hängt sogar als Wandtattoo in meinem Wohnzimmer. Es hat eine sehr persönliche Bedeutung für mich.

Vielen herzlichen Dank, liebe Anke für deine wertvollen Inputs, obwohl du dich aktiv im Lernmodus befindest!

Falls du Anke gerne persönlich mitteilen möchtest, dass du ihr für die Prüfung die Daumen drückst, darfst du das sehr gerne auf den zwei folgenden Wegen tun:
 
Instagram: diepsychotherapeutin
E-Mail: psychotherapie-glassmeyer@web.de

Oder du hinterlässt gleich unten einen netten Kommentar für Anke. 

Übrigens kann ich ihre Instagram-Seite herzlichst empfehlen – du bekommst einen Haufen fachliche Erklärungen zu den unterschiedlichsten ICD-Diagnosen (wie im Interview bereits erwähnt), zeitnahe Antworten auf deine Fragen und persönliche Einblicke in das Leben von Anke und Ella.
Selbstverständlich darf da eine Prise Humor nicht fehlen.

Liebe Anke, schon jetzt wünsche ich dir viel Gelassenheit für deine Prüfung, damit du dein Wissen im Herbst abrufen kannst!
Alle meine Däumchen sind gedrückt und freue mich, danach die Korken elegant fliegen zu sehen!

In diesem Sinne
Bleiben wir dran – denn eine Heilung braucht Zeit.

Noémie