Interview

„Humor kann man nicht lernen, weil man ihn bereits hat!“

Hauptbahnhof Zürich.
Nein, kein Lieblingsplatz von mir. Vor allem nicht zu Stosszeiten.
Heute freue ich mich trotzdem, denn ich treffe mich mit einer Frau, welche meine Interview-Anfrage angenommen hat – absolut cool!

Auf dem Weg zum Treffpunkt schlängle ich mich durch die Menschenmasse und google im Internet nochmals nach ihrem Foto.
Nur zur Sicherheit.
Gesichter abspeichern zählt nämlich nicht zu meinen Stärken.

Wenige Minuten später ist es soweit: Da steht sie in Lebensgrösse vor mir! 
Kurze, lockige Haare und strahlende Augen, die hinter der Brille hervorleuchten. Sofort spüre ich eine Vertrautheit und ich beschliesse, sie direkt sympathisch zu finden.

Darf ich vorstellen?

Mein heutiger Interviewgast heisst Salome, ist 35-jährig und lebendige Humortrainerin aus Bern. Sie macht gerne Musik und spielt Theater.
Also auf der Bühne.

Sie beschreibt sich weder als Coach, noch als Therapeut. Sie betitelt sich als Trainerin zum Selbstcoach. Salome lacht gerne und möchte auch dies bewusst trainieren.

Nach der Begrüssungszeremonie spazieren wir ausserhalb der Stadt durch eine tolle Naturkulisse. Bei einem Restaurant legen wir einen Stopp ein. Dort starten wir das Interview im Beisein von frittiertem Gemüse im Bierteig und Tomatensüppchen. 

Unheimlich viel habe ich durch unser Gespräch lernen dürfen. Umso freudiger bin ich, dir einen Einblick in das wertvolle Gespräch mit Salome zu schenken.

In diesem Sinne – viel Spass dabei!

 


Weshalb hast du dich für den Beruf der Humortrainerin entschieden?

Weil ich das bin. Ich spürte, dass mein Grundberuf der Pädagogin nicht alles ist und in der Welt, in meinem Leben noch mehr auf mich wartet. Erst musste der Beruf «Humortrainer» natürlich geboren werden, damit ich ihn heute ausüben kann.

Die Geschichte der positiven Psychologie und alle damit verbundenen Themen haben erst vor knapp 30 Jahren begonnen Fuss in unserer Gesellschaft zu fassen. So bin ich sozusagen mit der positiven Psychologie aufgewachsen und hineingewachsen. Themen der Positiven Psychologie sind unter anderem: Glück, Lebenszufriedenheit, Charakterstärken.
Humor ist eine Charakterstärke.

Achtung Begriffsklärung: Positiv bedeutet beweglich, bewegt, bewegend und Negativ, dass wir den Stillstand/ den Ist-Zustand beschreiben. Positive Psychologie bedeutet also: die Lehre der bewegten/beweglichen Psyche des Menschen.

Wie sieht dein Arbeitsalltag als Humortrainerin aus?

Aufstehen, Sportkleidung anziehen, Orangensaft trinken, eine Runde draussen in der Gegend herumrennen, verschwitzt an den Compi sitzen, Mails beantworten, Frühstück machen. Danach bin ich 40 Minuten bewusst musikalisch, dusche, plane und trainiere Humortrainings (nebenbei lasse ich die Musik laufen, die geübt werden will: Unterbewusstsein speisen).
Anschliessend bereite ich mir das Mittagessen zu (auch hier lasse ich Videos zu Humortrainingssequenzen laufen: Unterbewusstsein speisen) und am Nachmittag ist die Zeit um Humortrainings abzuhalten und weitere Schritte (Besprechungstermine für Auftritte abhalten, Material zusammenstellen) zu planen.

Wer sind deine Kundinnen und Kunden?

Meine Kunden sind Humorsportler, wobei Humorsportler jede und jeder sein kann. Humor ist für alle Alter freigegeben. Je jünger die Menschen sind, desto intuitiver ist ihr Humor. Je älter die Menschen werden, desto präsenter und bewusster kann er werden.
Ich gebe Einzel- und Gruppentrainings, halte Vorträge in Firmen, Vereinen und mache hie und da öffentliche Kurse.

Was bedeutet für dich persönlich Humor?

Für mich ist Humor Beweglichkeit im Körper, im Geist und in der Seele. Durch deren Bewusstmachung wird er für mich zu einem Führungsinstrument in den verschiedensten Lebenslagen. In der Antike wird Humor als «die Körperflüssigkeiten in Bewegung» (humores) beschrieben. Humor ist also ein Bestandteil meines Körpers.

Humor ist für mich in dem Sinne so, wie ein Leim in mir und wirkt durch mich als Persönlichkeit auf meine/in meinen zwischenmenschlichen Beziehungen. Durch den Humor erhalte ich die geistige Freiheit, alles was ich will in unterschiedlichen Lichtern zu sehen. Und ich habe eine Palette an Möglichkeiten immer näher zu dieser Freiheit zu gelangen.

In welchen Situationen kann Humor helfen?

Ganz einfach: in allen Lebensmomenten! Die schönen Augenblicke werden einem noch bewusster und können dadurch intensiver genossen werden. Wenn wir uns für die herausfordernden Momente trainieren, sind wir bereit, diese gestärkter, leichter, hoffnungsvoller und vielleicht auch schneller zu durchleben, zu überwinden.
Ein Licht am Ende des Tunnels? Diese neuronale Beweglichkeit fördert zusätzlich unsere Gesundheit. Der Humor ist das Gesundheitselexier schlechthin und hält nicht nur den Geist wach – einfach komplett alles wird wach!

Humor verbinde ich persönlich mit Lachen. Kann ich also einfach Lachen und alles wird besser? 

Vielleicht ein wenig, weil du beim Lachen Endorphine ausschüttest, das Adrenalin unterdrückst und es erwiesen ist, dass du dein Immunsystem dadurch stärkst (siehe Quelle).

Doch hängt das Lachen nicht direkt mit Humor zusammen. Die Verbindung zwischen Humor und Lachen nahm im Mittelalter in England seinen Anfang. Weil man den Komödianten nachsagte, dass sie Humoristen seien, weil sie den Humor von anderen Menschen durch das Lachen in Bewegung bringen würden.

Da möchte ich etwas tiefer gehen, um das zu erklären. Es gibt keine einschlägige Definition von Humor. Ich nenne hier jeweils drei Aspekte.
Erstens: Wie bereits erwähnt bildet der Humor die Säfte in uns, er ist eine körpereigene Substanz, also quasi das Lebenselexier.
Zweitens gibt es den Humor als Charakterstärke, die aus der positiven Psychologie bekannt ist. Da geht es darum, die Lebenszufriedenheit mit Humor aufrechtzuerhalten. Dabei hat jeder Mensch seinen ganz eigenen Humorstil.
Und so kommen wir zum dritten Punkt, dem Lachen. Das Lachen ist schliesslich ein körpereigenes Instrument, es ist und wirkt einerseits motorisch (Muskeln, Mittelhirn). Ich kann also auch Lachen, wenn es nicht lustig ist. Im Zusammenhang mit unseren Spiegelneuronen dient es andererseits als Kommunikationsmittel und wirkt weiter reflexartig.

Kann man Humor lernen? Falls ja, wie?

Lernen kann man ihn nicht, weil man ihn bereits hat. Jedoch kann man ihn entdecken und trainieren. Eine Trainingsstunde mit meinen Kunden besteht aus drei Teilen.

1. Als Einstieg/Aufwärmphase setze ich zuerst die Körperflüssigkeiten durch Interaktionsspiele in Bewegung. Anschliessend kommt das erneute Bewusstmachen von Komfortzone und Stretchzone.
2. Der Hauptteil besteht darin, Situationen aus dem Alltag aufzugreifen, in der die Person mehr Humor erfahren möchte. Genau an diesen Situationen arbeiten wir. Das Training ist also sehr praxisnah. Durch weitere Interaktionen und Spiele werden den Humorsportlern, wie ich sie nenne, mehr Aspekte, Ansichtsweisen und/oder Handlungsmöglichkeiten der vorliegenden Situationen bewusst. Mein Fokus liegt im «Machen» und weniger im Reden. Es geht darum Handlungsfreiheit zu erfahren.
3. Als Abschluss gibt es eine Reflexion und wir besprechen das weitere Vorgehen, individuell auf die Wünsche des Kunden abgestimmt.

Du kannst den Humor auch selbst trainieren, indem du immer wieder den Blickwinkel auf eine auserwählte Situation versuchst zu ändern. Frage dich als Erstes selbst: Was begeistert mich, wie sieht mein Ziel hier aus, warum will ich hier etwas ändern, was kann ich alles ändern, was will ich ändern?
Dann machst du weitere erste Schritte darauf zu. Du kannst dich sozusagen alleine auf deinen Humorweg begeben, womöglich fehlt dir dann jedoch der Austausch.

Es ist erwiesen und sinnvoll, jemand dabei zu haben, der mit dir deine Lebenskarte liest und dir hilft, wenn du dich in der Sahara verirrst. Das ist dann mein Part als Humortrainerin, mit dir zu schauen, wo du stehst und mögliche Wege zu sehen. Humortraining ist auch ein Coaching zum Selbstcoaching. Konkrete Handlungsmöglichkeiten werden angewendet und durchlebt.

Abschliessend die Frage: Was ist dein Lieblingswitz?

Ich habe zwei. Es sind Nonsenswitze.

Nummer eins: Zwei Blechdosen sitzen auf einer Mauer, eine springt runter und die andere heisst Hans.
Nummer zwei: Zwei Kühe sitzen auf dem Baum und stricken Gewehre. Da fliegen zwei Fleischkäsli vorbei, sagt die eine Kuh zur anderen: «Schau’ mal einer das an! Sachen gibt’s!»




Hast du Lust auf mehr von Salome?

Du findest auf folgenden Wegen zu ihr: Direkt über ihre Webseite: www.humorin.ch
Auf Facebook: humorin.ch

Über die Webseite kannst du das Buch von Salome Guggisberg ebenfalls bestellen: «Humor – Aha!?» Manual, um den wohlwollenden und korrektiven Humorstil zu trainieren.

Folgende Kurse sind geplant, wenn du Salome live erleben möchtest:
13. März, alte Kaserne, Winterthur.

An dieser Stelle ganz herzlichen Dank für den Einblick in die Welt des Humors, liebe Salome!

In diesem Sinne
Bleiben wir humoristisch dran – es lohnt sich!

Noémie