psychische Gesundheit

Knäckebrot als Schlafmittel?

Ach, das kenn ich doch schon zur Genüge!

 

Kein Alkohol. Kein Koffein. Kein Sport mit Höchstleistung ab 18 Uhr. Kein Fernseher. Kein Flimmern des Handybildschirms. Keine schwere Mahlzeit. Aber auch keine Rohkost. Keine Power-Naps über den Tag verteilt. Wlan ausschalten.

Eine breit gefächerte Palette an schlafhygienischen Mitteln eben. Die habe ich mir von Fachpersonen und dem Internet zugelegt.

Sogar Google scheint sich langsam über meine gleichbleibenden Suchwörter zu langweilen. Nach monatelangen Schlafschwierigkeiten blicke auch ich etwas resigniert in den Bildschirm des Laptops.

Ja ich weiss.

Aktive Eingliederung von Lavendelduft, pflanzlichen und chemischen Einschlafhilfen. Abendrituale einhalten. Nur bei Müdigkeit zu Bett gehen und stets zur gleichen Uhrzeit aufstehen. Gedanken niederschreiben und Schäfchen zählen. Vorwärts und rückwärts. Darüber reden. Also nicht über die Anzahl der Schäfchen, sondern was im Kopf so herumfliegt.

Für eine bessere Schlafqualität mache ich sogar Nägel mit Köpfen: Akupunktur.

 

Ich würde von mir behaupten, dass ich diese Hygiene beinahe perfektioniert habe.

Trotzdem ist es eine Herausforderung. Nacht für Nacht.

Woche für Woche.

 

Das war alles vor ziemlich genau zwei Jahren.

Es macht mir Angst, weil kein Ende in Sicht ist. Das ändert sich, als ich als begeisterte Sachbuch-Leserin über dieses Buch stolpere.




Grundlos erschöpft?  

Wenn ich so darüber nachdenke.. Nö, „grundlos“ eigentlich nicht.

Ich habe gelernt, dass ein Körper ohne Schlaf mit Erschöpfung reagiert (oha, Achtung, ich bin halt eine ganz Schlaue…).

 

Trotzdem lese ich das Kleingedruckte, indem ich das Buch wende.

Ein Buch über Nebennieren.

Neben.. was? Noch nie gehört! Habe ich das und wenn ja, wie viele?

 

Ich beschliesse das Buch zu kaufen. Hauptsächlich wegen dem Buchtitel. Und beginne noch am gleichen Tag, die ersten Seiten zu lesen.

Ich spüre kaum den Drang, das Gelesene gleich in die Tat umzusetzen. Bis meine Augen folgende Passage entdecken, als es um den Zusammenhang mit der Schlafqualität geht:

«Falls man unter einer Schwäche der Nebennieren leidet, kann Schlaflosigkeit mehrere Gründe haben. (…) Die ist oft der Fall, wenn Sie zwischen 01:00 und 04:00 Uhr Angst- oder Panikattacken und Alpträume haben oder unruhig schlafen. Um diesen Symptomen entgegenzuwirken, können Sie vor dem Schlafengehen ein oder zwei Bissen von einem Snack nehmen, der Proteine, nichtraffinierte Kohlenhydrate und hochwertige Fette enthält.»

 

Ernsthaft jetzt? 
Ein kleines Betthupferl als Antwort einer grossen Frage?

Ich belächle im ersten Moment die Idee, dass ein bisschen Vollkorn-Knäckebrot mit Kokosöl mir zu einem besseren Schlaf helfen soll.

Aber weshalb schreibt der Autor des Buches von Panikattacken und Schlafproblemen, wo es doch um die Nebennieren geht?
Also lese ich das Kapitel über die Ernährung und beschliesse, für mindestens drei Wochen nach den Empfehlungen des Autors zu leben und die Nahrung vor allem in den «nebennierenoptimalen» Zeiten einzunehmen.

 

Verlieren kann ich nichts!

 

Bereits einen Tag nach Beginn des Experiments spüre ich eine deutliche Verbesserung – ich schlafe ab sofort vier Stunden pro Nacht. Grandios!

Doch vielleicht ist das nur möglich, weil ich gerade in einer Start-Euphorie verweile und in ein paar Tagen bestimmt wieder alles so sein wird wie bisher?

 

Oh nein!

Tag für Tag und Woche für Woche verbessert sich meine Schlafqualität und damit auch die Grundstimmung am Tag. Ich bin mit viel mehr Energie unterwegs und fühle mich mit der bewussten «Lebensweise» viel wohler.

Hoppla, die Dame liest ein Buch über Nebennieren, fühlt sich wie eine kleine Medizinerin im weissen Kittel und spricht bereits von einer bewussten Lebensweise.. doch das Buch hat tatsächlich was!

Ich spüre, was Nahrung und Nahrungsergänzung in meinem Körper anstellen.

Ich fühle mich vitaler und beschliesse, die drei Wochen «Testphase» zu verlängern. Ich staune nicht schlecht, was für eine Wirkung Lebensmittel auf den Körper haben können.

 

Meine Periode bleibt für ein halbes Jahr aus.

 

In meinen Recherchen komme ich zu der Antwort, dass sich mein Körper anscheinend auf «gesund» einstellt. Es sei üblich, dass es deshalb im Zyklus von drei bis sechs Monaten zu Störungen kommen kann.

 

Kann ich so bestätigen.

Ich bin das Exemplar für sechs Monate.

 

Danach läuft alles wieder wie geplant. Die Wirtschaft für die benötigten Hygieneartikel kann also wieder angekurbelt werden!

Beinahe hätte es mir gefehlt.

 

Und, was noch viel spannender ist: Praktisch jede Nacht schlafe ich sechs bis sieben Stunden. Das finde ich schon unglaublich. Da kann man über einen langen Zeitraum nicht mehr richtig schlafen, probiert unheimlich viele Dinge aus und schlussendlich kommt es dann vielleicht doch auf das simple Knäckebrot an.

Wunder passieren tatsächlich.

 

Weshalb kann ich das Buch ausserdem empfehlen?

 

Die Ernährung ist nur ein Kapitel davon. Der Autor fokussiert sich auf die ganzheitliche Genesung einer Nebennierenerschöpfung. Angefangen von der Denkweise, dem eigenen Lebensstil, der Wirkung des Lachens und der Bewegung. Er unterstützt den Leser dabei, Energieräuber zu identifizieren und diese auf ein Mindestmass zu reduzieren.

 

Selbst für jemanden, der das Wort «Nebennieren» noch nie zuvor gehört hat ist das Buch leicht zu lesen. Es gibt einen ausführlichen Fragebogen, ob jemand von einer Nebennierenerschöpfung betroffen ist. Als Zusatz beschreibt er mit verständlichen Zeichnungen (manche sind so süss, dass man die eigenen Nebennieren knuddeln möchte), was die Aufgaben der Nebennieren sind – und welche nicht.

Ein Buch, um seinem Körper und seiner «Mitte» definitiv näher zu kommen.

In diesem Sinne
Bleib dran – und viel Spass beim Lesen (oder verschenken?)

Noémie