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Allgemein
Ich wühle zielstrebig in meinem Bürokram herum. Trotz meiner tollen Aktivität ist es mir ein Rätsel, nach was ich suche.
Sudoku sicher nicht.

Zwischen Steuerunterlagen und beinahe vergilbten Handyrechnungen fällt mir ein Notizbuch auf.
Neugierig blättere ich darin rum. Es handelt sich um Gedichte.

Das Zeug in meinem Büro tangiert mich nicht mehr.
Naja, es hat mein Interesse vorher auch nicht geweckt. Aber jetzt habe ich zumindest einen Grund dazu. keep reading
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Allgemein
Ich liebe Worte, die mir die Augen öffnen.
Ausser, wenn ich mich im Tiefschlafmodus befinde.

Es sind liebevoll aneinandergereihte Buchstaben, die mich begeistern, ermutigen und tief berühren.
Genau genommen gibt es drei Zitate, die mir in meinem Leben helfen. Es geht um Durchhalten, Aufstehen und Weitermachen.

Also genau richtig, dir diese Zitate zu schenken.
Es könnte ja sein, dass sie deinen Alltag ebenfalls bereichern können. keep reading
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Sport
Falls du den ersten Teil noch nicht gelesen hast – klicke auf Laufen als Psychotherapie? 

Ich führe ein Doppelleben.

So fühlt es sich zumindest an.

Mein altes Leben ist noch da, während ein anderes beginnt – ein Leben mit dem Laufsport.

Trotzdem braucht es noch immer grosse Überwindung, den inneren Schweinehund zu bändigen. Oft schreit mich das Bett an, ich soll gefälligst liegen bleiben, weil sowieso alles keinen Sinn hat. Verstehen kann ich den Hund schon – im Bett ist es viel gemütlicher, als da draussen ziellos um die Häuser zu laufen und unattraktiv nach Luft zu schnappen.

Es tut weh.

Einerseits schmerzt allein der Gedanke, mich anzuziehen und nach draussen zu gehen.

Und es schmerzt physisch, weil sich mein Körper noch nicht an die Belastung gewöhnt hat.

 

Umso schöner ist es, schon nach kurzer Zeit Fortschritte zu erleben.

Meine Laufeinheiten werden länger.

Die Selbstverletzungen werden weniger.

Ich vernasche Bücher über diesen Sport.

Abonniere Läuferzeitschriften. Lese sie auch.

Auffällig oft begegnen mir Berichte über Menschen, die der Depression wortwörtlich davongerannt sind. Diese Erfolge bereiten mir eine berührende Gänsehaut.

Ich träume vor mich hin.

Von einer gesunden Noémie.

Bis die Realität wieder da ist.

 

Eine erneute Laufstunde mit meiner Psychologin steht an.

Wir laufen am Seeufer entlang.

Plötzlich legt sie einen abrupten Stopp hin und biegt auf einen Holzsteg ab.

Ich folge ihr, am Ende des Stegs bleiben wir stehen.

Die entstandene Pause begrüsse ich, um Sauerstoff in meine Lungenflügel zu pumpen. 

Jeder versinkt in seine Gedanken.

Was für ein schöner Naturfleck.

«Noémie, für solche Momente lohnt es sich doch, fit zu werden», sagt meine Psychologin. Sie strahlt mich dabei an.  

Uff, der Moment geht tief. Sofort stellt sich ein Aha-Erlebnis ein.

Das ist Lebensqualität! Es geht im Leben doch nur um die Augenblicke, die mich emotional berühren. Die Summe solcher Momente bildet am Ende des Lebens das gelassene Gefühl von Zufriedenheit.

So stelle ich mir das jedenfalls vor.

 

Ich kann mir weniger vorstellen, wie ich mich am Ende des Lebens freudig daran erinnere, wie schnell der Wäschetrockner meine Socken trocken schleuderte. Auch die stündige Dokumentation über Fertig-Lasagne interessiert mich dann vermutlich nicht.

 

Nein, es sind solche Momente wie jetzt auf dem Steg.

Tiefe Momente.

Mit treffenden Worten.

Ich bin mir unsicher, ob meine Psychologin eine Antwort auf ihre Aussage erwartet.

Trotzdem nicke ich ihr zustimmend zu.

Worte sind überflüssig.

 

Ja, es lohnt sich, fit zu werden – wiederhole ich in Gedanken.  

Ich will der Depression auch davonrennen.

Auf 42.195km.

Der Marathon-Distanz – die Königsdisziplin der Läufe.

Wir laufen wieder zurück und noch lange danach beschäftigt mich eine einzige Frage.

Kann ich tatsächlich einen Marathon laufen?

Der Gedanke fesselt mich.

Ich verbinde viel mehr als Sport mit diesem Vorhaben.

Ich will nach vorne schauen. Perspektiven haben. Ohne Anstrengung lachen können. Gesund sein.

Ich könnte ja einfach mal so tun als ob?

Schwupps ertappe ich mich dabei, wie ich mich dazu entscheide, in meinem Leben einen Marathon zu laufen.

 

Na dann, auf geht’s!

Tschüss nett eingerichtete und äusserst gemütliche Komfortzone.

Hallo mein Leben.

Um die Situation abzurunden winke ich meiner Wohnzimmerwand zu.

Ist sonst grad niemand da.

 

In den nächsten Monaten und Jahren taste ich mich langsam an die Distanz heran. 10km-Läufe und Halbmarathon wechseln sich ab, bis es dann tatsächlich soweit ist: Mit zweiundzwanzig Jahren stehe ich das erste Mal an der Startlinie für einen Marathon.

 

Durch die unglaubliche Aufregung bin ich schon sechs Minuten vor dem Startschuss müde.

Ich zweifle an mir.

So weit bin ich noch nie in meinem Leben gerannt!

Ich kann das nicht!

Klar kann ich einen Rückzieher machen, mich dezent vom Startgelände verduften. Doch ich will verdammt nochmal stärker sein als mein depressiver Schweinehund!

Ich führe einen inneren Dialog mit mir.

Laufen bedeutet für mich Lebensqualität! Ich brülle mir die Worte in Gedanken quer durch meinen Schädel.

Naja, innere Diskussion trifft es besser.

 

Noch zwei Minuten bis zum Start, meldet der Veranstalter durch das Mikrophon.

 

Bevor ich Panik schiebe, mache ich ein paar tiefe Atemzüge.

Ich versuche mich zu beruhigen.

Meine innere Stimme klingt auf einmal gefährlich wohlwollend.

Es ist ganz einfach. Ein Schritt nach dem anderen. Wiederholen. Zwischendurch atmen und durchhalten. Wie in meinem «anderen» Leben. Durchhalten kannst du, also zeig, was du gelernt hast und geniess deine Bühne!

 

Der Startschuss bereitet mir beinahe einen Tinnitus.

Ich bin hellwach.

Und beginne, mich mit der bunten Läufermasse zu bewegen.

Unterwegs geniesse ich die Zuschauer, die auf alten Pfannen Musik machen und uns anfeuern. Mich begleiten Läufer in überdimensionalen Bierkostümen und solche, die für einen guten Zweck laufen.

 

Ich klatsche Kinderhände ab, begrüsse Kühe auf der Weide und gestikuliere wildfremden Menschen zu, wie ich es im Fernsehen von der Queen Elisabeth gesehen habe. Vor jedem «Fotopoint» schneide ich eine dämliche Grimasse, weil ich einfach Lust dazu habe.




Am nächsten Getränkestand erlebe ich etwas merkwürdiges.

Ich werfe die leeren Wasserbecher in hohem Bogen um mich, während die Helfer voller Freude klatschen und toben. Ich meine, wer kann schon offensichtliches Littering betreiben und so gefeiert werden?

Keine Spur von Ärger, kein Strafzettel.

Ich muss wohl etwas ganz Besonderes sein.

Noch vor Ort reflektiere ich diese Situation.

Und lache die nächsten Kilometer über mich selbst.


Ehe ich mich versehe biege ich bereits in den Zieleinlauf ein und kann es noch gar nicht glauben. Nach vier Stunden, vierzehn Minuten und neunundfünfzig Sekunden überquere ich mit geballter Faust und einem Strahlen im Gesicht die Ziellinie.

 

Wahnsinn.

 

Im Zielgelände ziehe ich das Shirt aus und lese nochmals achtsam die weissen Buchstaben auf dem roten Hintergrund.

«Für solche Momente lohnt es sich doch, fit zu werden».

Oh ja. Und wie!

Es geht weit über die Fitness hinaus.

Der Satz wird auch in Zukunft ein Appell an mich selbst sein, falls mich der depressive Schweinehund droht zu überfordern. Denn nur die goldigen Momente ausserhalb der Komfortzone machen die Qualität in meinem Leben aus.

Auf dem Heimweg werde ich nachdenklicher.

Was hat sich durch den Lauf konkret verändert?

Nun, ich bin immer noch ich. Zuhause wartet das «andere» Leben auf mich.

Bevor ich in meine melancholische Grundstimmung kippe, lerne ich eine wichtige Lektion für mein Leben:

 

Der Prozess ist viel wichtiger als die Zielerreichung selbst.

 

Der Weg zu einem Ziel hilft mir, in Bewegung zu bleiben.

Jeden Tag meine Sitzhöcker aus dem Bett zu kriegen.

Schmerzverzerrt die letzte Wiederholung im Fitnesscenter zu absolvieren.

Die Zweifel zu überhören.

Immer wieder beginnen, an mich zu glauben.

Berührende Momente auszukosten.

Und kleine Teilziele zu feiern.

 

Mit dieser Erfahrung frage ich mich:

Geht es vielleicht eher darum, etwas zu werden, statt etwas bereits zu sein?

 

In diesem Sinne

Bleib dran  – es lohnt sich!

 

Noémie


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psychische Gesundheit, Sport

Ich drehe mich im Kreis.

Es geht nicht vorwärts.

Auch in der Gesprächstherapie. Diese Tatsache verdränge ich mit Erfolg.

Doch in der heutigen Sitzung ist alles anders.

Meine Psychologin spricht das Wort «Abbruch» tatsächlich aus.

 

Wie soll ich mein Leben unter diesen Umständen auch nur ansatzweise in den Griff kriegen? Unvorstellbar!

Das letzte Stück Boden bröckelt unter meinen Füssen.

 

Ich bin siebzehn Jahre jung. Das Selbstwertgefühl ist überall, nur nicht bei mir. Meine sozialen Kontakte beschränken sich auf die Mitglieder meiner Familie und meine Psychologin. Regelmässig stürzen meine Gedanken in schwer depressive Gebiete ab. Mir fehlt die Perspektive, dass sich auch etwas an meiner Arbeitslosigkeit ändert.

Ich habe nichts, worauf ich am Ende des Tages stolz sein kann. Mein Gesundheitszustand liegt mit chronischem Fieber im Bett.

Und jetzt erst recht.

Da ist das ausgesprochene Wort.

Abbruch.

Und der dazugehörige Gedanke.

Untherapierbar.

Ich bin erschüttert.

 

«Ich hätte da noch eine Idee», spricht meine Psychologin aus.

Oh!

Ein kleiner Hoffnungsschimmer?

Plötzlich bin ich wieder hellwach und aufnahmefähig. Sie berichtet über die Idee, zusammen laufen zu gehen.

 

Wie jetzt, laufen? – schiesst es mir durch den Kopf.

Dass meine Psychologin eine leidenschaftliche Läuferin ist wusste ich bereits, aber dass Rumrennen eine Art Therapie sein könnte, ist mir neu.

 

Ich sage zu.

Ein bisschen, weil mir der Plan B fehlt.





Also gehe ich in Turnschuhen zur nächsten Sitzung. Nervös warte ich vor der Praxis. 

Da kommt sie.

Sportlich gekleidet.

Gut gelaunt.

Meine Psychologin begrüsst mich mit einem Lächeln.

Ihr durchtrainierter Anblick macht mir Angst.

Ich lasse mir nichts anmerken.

 

Wir traben los.  

 

«Gemütlich» nennt sie das angepeilte Tempo. Und plaudert gleichzeitig über die Dinge, die sie wahrnimmt.

Kräftig blühende Blumen.

Die Aussicht, die bis zum See reicht.  

Die frische Luft.

Der Kreislauf, der in Schwung kommt.

Das Wolkenspiel am Himmel.

Ich bewundere ihre Fähigkeit, zu laufen und gleichzeitig zu reden.

Bei mir sieht das etwas anders aus.

 

Ich hopse ihr hinterher.
Versuche mein Seitenstechen wegzulächeln, wenn sie zu mir herüberblickt.
Ignoriere das Brennen in der Wadengegend.

Suche nach Abzweigungen, die unseren Zielpunkt schneller erreichen lassen.

Hechle nach dieser ach so frischen Luft.

Betreibe Rätselraten, wann die Baumwollfasern meines Shirts zu miefen beginnen.

 

Wenn ich so nachdenke – das ist ja auch Multitasking.

Zumindest für Anfänger.

 

Erst als ich danach eine erfrischende Dusche geniesse, fühle ich mich etwas besser. Ich kann noch nicht greifen, was gefühlsmässig anders ist. Es ist ungewohnt, dass Laufen nun tatsächlich als Therapie eingesetzt wird. Jedenfalls spüre ich, wie ich die Unsicherheit in meinem Leben für einen kurzen Moment vergessen kann.  

 

Deshalb beschliesse ich, auch ausserhalb der Therapie meine Turnschuhe zu schnüren.

Zweimal in der Woche.

Eine Minute leichtes Jogging, eine Minute gehen. Vierzehn Minuten – danach bin ich völlig platt.

Laufen ist anstrengend. Doch es schenkt mir die Möglichkeit, die Therapie im gewohnten Sitzungszimmer fortsetzen zu können.

Die Noémie ist wieder therapierbar!

 

Mehr noch.

Ein utopischer Gedanke wird zur Wirklichkeit.

 

Ich beende einen Lauf über fünf Kilometer.

Das Gefühl, etwas selbst zu erarbeiten und zu schaffen, ist unbezahlbar.

Ich erlebe, wie ich trotz der passiven Umstände einen kleinen Bereich in meinem Leben aktiv gestalten kann.

Diese Erfahrung ist Gold wert.

Welcher (für unrealistisch bewerteter) Gedanke möchtest du zu deiner Wirklichkeit werden lassen? 

Du hast es in der Hand.

Sei mittendrin in deinem Leben.

Du darfst entscheiden.

Befördere dich zum Gestalter deines eigenen Lebens.  

 

In diesem Sinne
Bleib dran – es lohnt sich!

Noémie

 

Übrigens: Wird Ausdauer belohnt?

Die Fortsetzung darfst du im Artikel Der Moment als wichtige Lebenslektion lesen. Viel Spass dabei!

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Sport

Meine Augen funkeln.

Sie kleben am Bildschirm meines Laptops.

Ich sehe mir die Webseite eines Ultralaufs über fünfzig Kilometer an. Einmal um den Bielersee mit Abstecher auf die St. Petersinsel.

 

«Fang klein an, mach erst einmal ein paar kürzere Läufe. So gross bist du auch wieder nicht», warnt mich mein Ego.
Stimmt.
Die Marathondistanz bin ich erst einmal gelaufen. Vielleicht ist ein solcher Lauf tatsächlich zu krass für mich.

Doch das Funkeln in meinen Augen bleibt. keep reading

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